Stolpersteinverlegung in der Neckarstadt

Veröffentlicht am 16.03.2010 in Reden/Artikel

Gustav Dieter und Thaddäus Brunke: Zwei Neckarstädter mobilisierten gegen das NS-Regime. Der AK Stolpersteine verlegte zwei Stolpersteine an deren Wohn- und Wirkungsstätte. Roland Weiß, SPD-Kreisvorstandsmitglied und Stadtrat, hielt gleich zu Beginn das Grußwort für den Sozialdemokraten Gustav Dieter sowie zum Abschluss in der Gedenkstätte Sandhofen das Grußwort der Stadt Mannheim.

Der AK Stolpersteine gedachte zusammen mit zahlreich anwesenden Genossinnen und Genossen der Menschen, die gegen das NS-Regime Widerstand geleistet haben. Gustav Dieter und Thaddäus Brunke stehen exemplarisch für den Widerstand zahlreicher Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten und der so genannten „kleinen Leute“, die Zivilcourage bewiesen haben.

Die bereits fünfte Stolpersteinverlegung fand am 12.03.2010 statt. Sie wurde vom AK Stolpersteine organisiert, die unter der Kontaktadresse der Naturfreunde Mannheim erreichbar sind.
Insgesamt verlegte der Künstler Gunter Demnig an diesem Tag zehn Stolpersteine in Mannheim. Insgesamt erinnern nun 50 der kleinen Denkmäler an Mannheimer die durch das Nazi-Regime zu Tode kamen.

Exemplarisch für alle Opfer des NS Regimes wollen wir auf zwei Neckarstädter verweisen.

Gustav Dieter: Sozialdemokrat
Der Stolperstein wurde an seinem früheren Wohnort inmitten der Neckarstadt vor dem Haus der Mittelstaße Nr. 4 verlegt. Gustav Dieter wurde gerade mal 30 Jahre alt. Gemeinsam mit seinen Genossen Karl Mayer, Hartmut Hummel und Christian Reichle sowie zahlreichen weiteren Menschen verfolgten sie das Ziel eine Widerstandsorganisation durch ein System von Vertrauensleuten aufzubauen. Wichtiges Mittel der illegalen Arbeit und Gegenpropaganda war die Verbreitung der Zeitschrift die „Sozialistische Aktion“.
Ziel war es, die Leute über die Existenz der sozialdemokratischen Bewegung im Untergrund aufzuklären und zum Handeln gegen das NS System zu bewegen. Ende April 1945 gelang der Gestapo der Einbruch in die sozialdemokratische Organisation in Mannheim. Zuerst wurde Karl Mayer verhaftet. Auf diesem Weg deckten sie das gesamte sozialdemokratische Verteilernetzwerk auf, zu dem auch Gustav Dieter gehörte, der eng mit Mayer befreundet war. Im Dezember 1935 wurde Dieter zu 10 Monaten Gefängnis verurteilt. Am 18. März 1936 starb er in der Strafanstalt Bruchsal unter ungeklärten Umständen. Das überlieferte Material deutet darauf hin, dass Dieter ein Opfer des NS-Terrors geworden ist. Die Leiche wurde im unbekleideten Zustand nach Mannheim zurückgebracht. Der Brustkorb des Toten war geöffnet und später mit einem Stück Schnur wieder zusammengeschnürt worden.

Thaddäus Brunke: Kaplan in der Bonifatiuskirche

Der Stolperstein wurde an einer seiner früheren Wirkungsstätten als Franziskanerpater verlegt. Direkt vor der Bonifatiuskirche in der Friedrich Ebert Str. wird an sein Wirken erinnert. Hier war er ein Jahrzehnt tätig. 1940 wurde er von den Nazis verhaftet und in das KZ Dachau deportiert. Dort starb er am 05.08.1942. Ihm wurde vorgeworfen „Bücher der Sicherstellung zu entziehen“ und der katholischen Jugend einen Brief des Erzbischofs verlesen zu haben, „der geeignet ist, das Vertrauen der Jugend in die politische Führung des Staates zu untergraben“. Unterhalb der Ebene der offiziellen Repräsentanten katholischer Jugendarbeit wurden begrenzte Aktivitäten gegen den Nationalsozialismus entfaltet. In getarnten Gruppen, so etwa als Singkreis bei Emilie Hucht getarnt, traf man sich, um Hirtenbriefe und andere religiöse Schriften zu verteilen. Im Krieg zählten etwa 50 Personen, vorwiegend Frauen, zum Kreis ehemaliger Jugendleiter. Eine damalige Jugendleiterin und zwei seiner ehemaligen Schüler die immer noch in der Neckarstadt wohnen, berichteten den Anwesenden über ihre Erfahrungen mit Thaddäus Brunke.

Der Lebens- und Leidensweg Gustav Dieters und Thaddäus Brunke steht exemplarisch für den Widerstand der „kleinen Leute“ in Mannheim. Es waren Leute aus einfachen Verhältnissen, wie Jakob Trumpfheller, Jakob Sommer oder zahlreiche andere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die im Geiste Gustav Dieters und Thaddäus Brunke nach dem Zweiten Weltkrieg durch ihre Arbeit in Betrieben, Gewerkschaften, Parteien und Kirchen den demokratischen Humus für den erfolgreichen Aufbau einer bundesdeutschen Zivilgesellschaft bildeten.

Ihr Gedenken soll durch die Stolpersteine gewahrt werden und Mahnmal einer menschenverachtende undemokratische Zeit sein, die nie wiederkehren darf.

Ihr Andenken zu bewahren, ist kostbar und die Würdigung Dieters und Brunkes durch die „Stolpersteine“ ein kleines Zeichen, für Zivilcourage und aktives Handeln gegen die NS Diktatur.

Evelyne Gottselig

 

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